Aufgrund einer kurzfristiger Wegstreckenoptimierung – und damit Ausschlafvorteil von ca. 45 min. – wurde die grill +penn-location von Rickenbach nach Wintersweiler verlegt. Dirk kam aus der GUS quer durch den Schwarzwald nach Schönau, wo wir uns leicht verspätet™ trafen. Da Ingolf mit dem toten Tier schon unterwegs nach Wintersweiler war, nahmen wir die fast direkte Route via Neuenweg, Badenweiler und Kandern nach Wintersweiler. Dort wartete Ingolf schon sehnsüchtig auf uns.

Nach dem Begrüssungszäpfle gab’s erstmal eins gegen den Durst und so weiter. Ruckzuck war auch der Grill in Betrieb genommen, man laberte viel Benzin und dabei musste natürlich auch die Kehle feucht gehalten werden. Überflüssig zu erwähnen, wie genial das Hotzenwälder Tier mal wieder war. Spät ging’s in die Horizontale, die Nacht sollte kurz werden.

Wie befürchtet, klingelte um 7.15h der Wecker. Unmenschlich, sowas! Der Kaffee floss in Strömen – nicht nur in die Kehlen – so dass wir schon kurz nach 08:00h unsere Kluft übergezogen hatten. Dann nur noch geschwind das Altölbeseitigungsgerät befüllen und volltanken, dann ging’s los in Richtung Chalampé. Ich habe die Truppe noch ein wenig im Rheintal rumgeführt, um die verbleibende zeit bis 09:00h sinnvoll zu nutzen. Böse Zungen behaupten, ich habe die unmenschliche Weckzeit noch nicht ganz verarbeitet. Blödsinn! Extrem pünktlich trudelten wir dann am Sammelpunkt an, wo schon Chef, tam, Jottel, und Karl-Heinz auf uns warteten.

Es fehlte aber noch die schweizer Fraktion. Schlechte Kunde kam via tams Handy, dass Joes Kollege sich hingelegt hat und er deshalb zum Le Markstein nachkommen würde. von Marc war nichts zu hören, also bekam er eine Nachricht, dass wir nun aufbrechen. wir machten uns also dran, die Hühner zu satteln, da fragten uns ein paar Demo-Symphatisanten, ob sie sich für die fahrt zum sammelpunkt an uns dranhängen könnten. klar, warum nicht, man ist ja stets hilfsbereit. dummerweise waren wir nach dem zweiten Überholvorgang – als ca. 400m nach dem Chalampé-Treffpunkt – schon wieder unter uns, komisch… egal, die Freude darüber, dass wir ausnahmsweise auf den ersten Versuch den richtigen weg nach Thann gefunden hatten, ließ uns wohl den Verlust verschmerzen. Noch unten im Dorf war an der zunehmenden Moppeddichte klar zu erkennen, dass dies kein normal besuchter Vogesenevent werden würde.

Der Einstieg über den Hartmannsweilerkopf kam bei dem endgeilen Wetter erwartungsgemäss gut. Der Schotter, der uns am vergangenen Wochenende etwas Kopfschmerzen bereitet hatte, war nur noch in Spurenelementen vorhanden, also konnte auf nahezu bst-konformes Tempo gegangen werden. Oben am Le Markstein mussten wir nicht lange nach dem Sammelpunkt suchen, ein paar hundert Mopeds, Harleys und Goldwings konnten nicht irren. Also stellten wir uns brav dazu und liessen uns vom Rahmenprogramm belustigen. Da kam z.b. so ein französischer Moppedclubaktivist mit einem Truppenwerbungsformular und meinte, als er unsere Nationalität erkannte „ach ihr kommt aus Deutchland, dann ist das nichts für euch“. Europe united rules… oder da war noch der Kaffeefahrtbus, der die Route des Crêtes Demo besichtigen wollte. Er hat seine Entscheidung bestimmt noch bitter bereut. Die ersten zwei flics, die sich mit der blauen Dose durch die Massen nach vorne quälten, wurden auch mehr als Erheitung denn als Sicherheit betrachtet.

Kurz vor 11.00h kam irgendwo aus dem vorderen Feld ein Gequäke, das vom Volk offenbar als Startsignal interpretiert wurde. Mühsam und auf den ersten Kilometer mehr als stop and go setzte sich die Versammlung in Richtung Col de la Schlucht in Bewegung. Meist so 3 Moppeds nebeneinander und rege Dynamik in Fahrtrichtung liessen das ganze echt zum Erlebnis werden. Die Dosen, die von dieser Lawine erwischt wurden, spülte es es regelrecht an die Strassenränder. Gut, so muss das sein! Das 2.Gang Leerlauf Tempo brachte völlig neue Ansichten der Landschaft. Die Vogesen bestehen ausserhalb der Ortschaften ja doch nicht nur aus bunten waagerechten Strichen, erstaunlich. Unterwegs stand ein mutiges Kamera-Mädel von France-2 mitten auf der Strasse, theoretisch müsste bst im nationalen Fernsehen zu sehen sein. Chef: hast du deine Jacke während der fahrt offengelassen?

Währenddessen stiess unser Joe dazu, noch rechtzeitig zum Showdown am Col de la Schlucht. Dieser stellte sich als organisiertes Grossstau-Chaos heraus. Von Demo keine Spur, nur Millionen von Moppeds, eine handvoll Dosen und noch weniger flics, die das Gewusel zu ordnen versuchten. Mittendrin tauchte MTL auf, der vom Col des Bagenelles kam, und hielt Smalltalk mit Dirk. Wir beschlossen, uns das Chaos nicht länger anzutun und gleich zum ziel nach Munster abzufahren. Offensichtlich blieb das gros der Demonstranten auf dem Pass, wir waren jedenfalls bei der Abfahrt nahezu unter uns. Eine stinkende CBR 600RR und ein recht wakliger Endurist ärgerten uns ein wenig, aber was soll’s.

Unten in Munster wusste dann niemand so richtig, wo’s zum Grossevent hingeht, keine Schilder, keine Streckenposten und im Herdentrieb einfach ein paar lokalen Zweirädern zu folgen, brachte auch keinen Erfolg. Schließlich fanden wir den vermeintlichen Zielpunkt der Demo im Zentrum von Munster hinter schwer bewachten und unüberwindlichen Strassensperren. Naja, der Platz war ca. 50*10m groß und bestand im wesentlichen aus 3 Fressbuden und einer handlichen Soundanlage. laufen derartige Grossveranstaltungen in Frankreich anders ab oder hat man sich einfach verkalkuliert? Wir sollten es nie erfahren, denn es kamen im laufe der nächsten 2h keine 100 Leutchen.

Wir entschieden uns für die gepflegte Verköstigungsvariante und nahmen in einer nahegelgenen Kneipe platz. Die speisekarte sah gut aus und der Kellner war auch bemüht, uns die kryptischen Bezeichnungen auf der Karte zu erklären. dann war seine Ausdauer offenbar aufgebraucht, denn für jede folgende Tätigkeit – bis hin zum abkassieren – ließ er sich ausführlichst Zeit. Unsere Geduld und Laune sank proportional zu seiner Motivation und wir waren schlussendlich kurz davor… ach, lassen wir das. Wir brachen also wieder auf. Es war inzwischen 16.30h, Joe, Chef, Jottel und tam machten sich auf dein Heimweg, Karl-Heinz, Dirk, Peter und ich beschlossen, uns noch ein paar nette Strassen vorzunehmen.

Geplant war Hohrodberg – Col des Bagenelles – St. Marie – Col de Fouchy – Col du Kreutzweg – Obernai und via Strasbourg weiter nach Deutschland.

In St. Marie wollten wir Treibstoff fassen, aber haben nicht mit der Heimtücke der Franzosen gerechnet. Sonntags gibt’s in solchen Käfern nur Automatentanken und die nehmen keine ausländischen Kreditkarten. Dirk und Peter waren schon auf Reserve, in Ribeauvillé gab’s auch nichts, also weiter Selestat. dort gab’s endlich Sprit gegen Bares, allerdings glatt 10ct/l teurer als 1km weiter am Automaten. Wegelagerer, elendige!

Nach kurzer Diskussion einigten wir uns darauf, über Marckolsheim in den mittleren Schwarzwald zu wechseln und dort noch einige Kurven zu bearbeiten. Also Tiefflug bis Malterdingen und hoch nach Freiamt. Nette Ecke, wenn nicht unsere Strecke durch eine Baustellen-Vollsperrung blockiert war. „Egal“, sagte sich GPS-Dirk und nahm die direkte Verbindung zum nächsten bewohnten Fleck. Daraus wurde eine 5 km lange Crosseinlage auf einem recht übersichtlichen Waldweg (aka „Fußweg“ in der 278er-Michelin). dort gedeihen inzwischen auch einige säuerliche Wanderer. Weiter geht’s bis Welschensteinach und Steinach runter ins Kinzigtal. Dort kündeten Dirks anzeigen wieder von der Ölkrise seines Aggregates. Während der Nachfüllung verabschiedeten wir uns, für Peter und Dirk ging’s weiter über Bad Rippoldsau, FDS Richtung GUS. Mich führte es über Triberg, Furtwangen, Titisee, Feldberg, Schönau, Neuenweg und Kandern um 20:30h zurück nach Wintersweiler.

Fazit:

  • schee war’s!
  • die Erfahrung gesammelt, dass in .Frankreich die Organisation von Großveranstaltungen offensichtlich deutlich gemütlicher gehandhabt wird als in Deutschland
  • viel geschwitzt – aus verschiedenen gründen… 🙂
  • 490km, 12h on Tour, Sprit: 5,5l/100km, Öl: Null, Vorderreifen: auch Null
  • tams Shift-Taste muss erneuert werden

Bilder auf der nächsten Seite.

Route des Crêtes Demo

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