Freitag: Anreise

Mit einer kleinen Verspätung™ von 30 Minuten traf ich in der Autobahnraststätte bei Bern ein. Ziemlich genervt wegen den Dauerlinksfahrern mit 110 km/h. Naja. Die BSTler waren schon bis auf Marc und Hans, die erst später zu uns stoßen wollten, versammelt. Nach einem kurzen Hallo ging es dann gleich weiter. Noch eine halbe Stunde auf der Dosenbahn, dann konnten wir endlich ein paar Landstrassen unter die Räder nehmen. Da das Wetter mitspielte und uns wunderschönen Sonnenschein bescherte, waren der Col des Mosses und der Col de la Croix die richtige Einstimmung auf die folgenden Tage. Bei der Abfahrt vom Col de la Croix erwischte es tam. Nachdem ich selbst und auch Reto hinter mir in einer Kurve nur mit akrobatischen Einlagen und unter zu Hilfenahme der Gegenfahrbahn oben geblieben bin, legte sich tam mit seiner Duc und seiner nigelnagelneuen Alne-Kombi hin. Ihm hat es nichts gemacht, seine Duc aber hatte keinen Bremshebel mehr. Ein suboptimaler Einstig ins BST Wochenende. Nach einigen Abklärungen wurde beschlossen, den Hauptteil der Gruppe ins Hotel zu verfrachten und tam mit Chef hinterherschwuchteln zu lassen. Da es nicht allzuweit von Martigny enfernt war, kamen die beiden nur eine viertel Stunde später an. Auch Hans traff kurz nach uns ein. Von Marc bekamen wir leider eine Absage. Dringende Geschäfte hielten ihn davon ab, zu uns zu stechen.

Nachtessen (1):

Alle, ausser Hans, bestellten das Tagesmenü. Nach einem Salat kam dann ein Teller mit 5 (in Worten fünf) Ravioli darauf. Bei mir waren es sogar nur 4. Nach einer langen Anreise mit Aufregung nicht gerade die erwünschte Portion. Die 5 (4) Ravioli schmeckten gut, füllten aber nur eine Ecke des Magens. Zum Glück kam dann der Wirt mit mehreren Platten Ravioli, so dass jeder genug bekam, wenn es auch nicht gerade üppig war.

Samstag: Tour mit Verzögerungen

Am Samstag konnten wir es etwas gemütlicher nehmen. tam musste ja noch seinen Bremshebel und den Bremsflüssigkeitsbehälter ersetzen bzw. flicken lassen. So gegen 10 Uhr konnten wir doch los und trafen tam mit seinem geflickten Töff an der Tankstelle in Martigny.

An der Stelle vielleicht noch ein kleiner Einwurf ueber das Besorgen des Kupplungshebels.

Die Erste Anlaufstelle war wohl ein Honda Vertragshändler. „Ah non, non…….non non non non non………. non“ das war sein Wortschatz. Tams und mein Französischwortschatz sind bei Gott gering, aber seiner unterbot alles bisher da gewesene. „Nein ich habe keinen passenden Hebel, nein ich habe auch keine Lust zu schauen ob ich vielleicht doch einen hätte, nein ich weiss auch nicht wie man das sonst in den Griff bekommen könnte und da ihr nicht den Eindruck macht als ob ihr mir gleich ein Duzend Motorräder abkauft solltet ihr mich länger aufhalten“, dies müssten so in etwa seine Gedanken gewesen sein. Als wir dann doch noch ganz liebenswürdig fragten ob es denn nicht irgend jemand im Ort gäbe der vielleicht den Unterschied zwischen Motorradmechaniker und einem Feigenbaum kenne, war der Herr seinerseits dann doch noch liebenswürdig genug und die Geheimformel zu verraten: „an der zweiten Ampel links, dann sofort rechts und dann beim Kreisverkehr“. Ein Wunder, den Wortschatz also spontan um mindestesns 1200 % erhöht. Man muss eben nur liebenswürdig sein.

Immerhin war seine Wegbeschreibung richtig, und so standen wir also auf dem Hof eines waschechten französischen Mopped Mechanikers. Es herrschte eine gewisse Lässigkeit. Es war so eine Mischung aus Werkstatt, Louvre und gut sortiertem Schrottplatz. Anfang Schnell den Behälter abgeschraubt und mit seiner surealistischen Lötlampe die er zuvor am Schleifstein schliff verklebt und wieder angebaut. Warum er die schliff weiss ich auch nicht, aber wahrscheinlich bin ich deshalb auch nur Optio, er aber Zenturio. Ich bin sicher das war einer der Menschen denen man einen Eisenklotz und eine Feile hin legt und die dann daraus ein Motorrad feilen können.

Via Champex ging es dann den Grd. St. Bernard hoch. Kurz nach der Passhöhe, nach einem kurzen Halt, merkte Mounty, dass er seinen Rucksack an der Tanke in Martigny vergessen hat. Dort hatten Jürgen und ich uns noch voller Respekt über die Packungskünste desselben (Mounty nicht der Rucksack) unterhalten. Mit so einem kleinen Tankrucksack alleine ins Wochenende, wow! Mounty also wieder die ganze Strecke zurück, der Rest ins Restaurant. Zu dem Zeitpunkt fing es zum ersten mal an zu Regnen. Bis Mounty zu uns stiess, war das aber wieder vorbei. Über den kleinen St. Bernard konnten wir es richtig gut laufen lassen. Die Strasse war trocken, der Verkehr gering. Der Weg zum Col de la Madeleine hoch konnten wir leider nicht wie geplant fahren, da irgendeine Grossbaustelle die Strasse versperrte. Da ich aber die Schilder unten im Tal nicht so genau betrachtet hatte, merkten wir es erst kurz vor der Baustelle selber. Wieder eine Verzögerung. Kurz vor der Passhöhe kam der Regen. Meine Prognose, dass dies ein grösseres Regengebiet sei, bestätigte sich nicht. Also konnten wir auf der Passhöhe den Gummi wieder ausziehen. Es wäre nicht wirklich nötig gewesen, ihn überzuziehen. Pech. Da die Zeit schon weit fortgeschritten war, nahmen wir den direkteren Weg über den Telegraph und den Galibier. Wunderschöne Pässe mit trockenen Strassen, was will man mehr?! Die Strecke zwischen dem Col du Lautaret und Briancon konnte dann im BST Marschtempo zurückgelegt werden. Beim Tanken in Briancon holte uns der Regen wieder ein. Kein Problem eigentlich, wir waren ja weniger als 1 km vom Hotel. Dort, im Hinterhof, erwischte es Germar. Bei Halten setzte er seinen Fuss unglücklich auf eine Metallplatte, rutschte weg und legte seine VFR auf die Seite. Dummerweise brach ihm dabei der Kupplungshebel ab. Und das am Samstag Abend in Frankreich.

Nachtessen (2):

Kurz gesagt: purer Nepp. Die Pizzen waren schlecht. Das Bier zu teuer. Diverse Sachen waren nicht mehr erhältlich. Die Bedienung schlecht. Einzig Hans und ich hatten ein Fondue, welches in Ordnung war.

Sonntag: Tour ohne Sicht

Germar konnte Sonntagmorgens niemanden in Briancon finden, der ihm mit einem Kupplungshebel aushelfen konnte. Auch der Roller des Hoteliers war nicht zur VFR kompatibel. Also ging es ohne ihn weiter. Auch Mounty verabschiedete sich. Er musste am Montag schon wieder arbeiten. Mit seinen abgefahrenen Reifen wäre er auch nicht bis nach Barcelonette und zurück gekommen. Den Col d’Izoard konnten wir noch im Trockenen geniessen. Da dieser, seit dem ich das letzte mal dort war, gut ausgebaut wurde, war fröhliches Heizen angesagt. Den nächsten Pass, den Col Agnel, ging es dann weniger schnell hoch. Zuerst kamen die nassen Strassen, dann der Nebel. Oben auf 2748m sah man nichts von dem tollen Ausblick bei schönen Wetter. Kurz ein paar Pullover untergestreift und weiter ging es. Die Sicht wurde immer schlechter. Das das Visier anlief half auch nicht wirklich. Nach ein paar km waren wir, wenn auch nicht auf trockenen Strasse, so doch wenigstens aus den Wolken heraus. In Sampéyre kam dann der Regen. In Gummi gehüllt ging es über den Colle di Sampéyre. Auch dort wieder dicker Nebel. Dazu kamen dann noch sehr enge Strassen. Eine ziemliche Schinderei. Auf der anderen Seite fuhren wir durch das Vale di Elva. Eine Orgie von Kurven und Gallerias in einer Schlucht. Der Regen hat uns dort ein wenig in Ruhe gelassen. Für trockene Strassen hat es trotzdem nicht gereicht. Die anschliessende Strecke via Marmora über den Colle d’Esischie, Colle dei Morti und Colle Valcavera nach Delmonte werden wohl die meisten nicht so schnell vergessen. Der Weg hoch zum 1. Colle ist schlicht und einfach endgeil. Zumindest für die Fahrer von Nicht-Sportlern. Eng, sehr kurvig, schöne Landschaft, Dreck, Kies, Schlamm und Schlaglöcher. Trotzdem kamen auch tam und Jürgen gut hoch. War sicher nicht ganz einfach für sie. Die nächsten beiden Colle wurden dann wieder im dicken Nebel genommen. Sicht gegen Null. Geregnet hat es auch. Es ein nervenaufreibender Blindflug. So nervenaufreibend, dass tam in den Schwuchtelmodus (auch Vmin Modus genannt) geschaltet hat und uns eine viertel Stunde in Delmonte warten liess. Der nächste Colle di Lombarda sah von unten etwa gleich Wolken verhangen aus, wie die vorhergehenden. Wir beschlossen daher, den direkteren Weg über den Col de Larche zu nehmen. Eine gute Entscheidung, da die Strasse auf der nördlichen Seite trocken war und die weitgeschwungenen Kurven eine zügigen Schnitt zuliessen. In Barcelonette holte uns der Regen wieder ein, was aber für den Tag keine Rolle mehr spielte.

Nachtessen (3):

Ahhh, endlich! Da wir das Hotel mit Halbpension nehmen mussten, blieben wir im Hotel. Schon um 18 Uhr waren alle um den Tisch versammelt. Essen gab es erst um 19 Uhr 30. Mit viel Benzingerede ging die Zeit einigermassen schnell vorbei. Das Essen war gut bis sehr gut und sehr reichlich. Wir haben uns ziemlich vollgestopft, da jeder beim 1. Gang in Anbetracht der Erfahrungen, die wir in Martigny und Briancon gemacht haben, schon zugeschlagen hat. Es gab aber noch weitere 4 Gänge. Zum Schluss war es ein harter Kampf, aber ein echter BSTler gibt nicht auf.

Montag: Heimreise HansMan, aceman, Chef, Jottel und tam

Bis Grenoble hat es elendig geschüttet, kurz danach hatte es aufgehört zu regnen und wir stärkten uns für die grosse Dosenbahn Attacke. Danach gibt’s nicht mehr viel zu berichten. Fahren und tanken.

Montag: Nass

Nur Joe, Ingolf und ich hatten das Privileg bis am Dienstag Alpen glühen zu können. Der Rest machte sich auf den feuchten Heimweg. Wir drei fuhren über den Col de la Cayolle Richtung Süden. Für mich ist der Cayolle, egal bei welchem Wetter, einer der schönsten Pässe in den Seealpen. Bei leichtem Nieselregen war er nicht unangenehm zu fahren. Im Süden hörte es sogar auf zu Regnen. Wohl nur um richtig Anlauf zu nehmen. Wenige Meter nach der Abzweigung zu Col de Champes fing es an zu regnen. Ein paar Meter weiter fing es an zu schütten. Noch ein paar Meter weiter fing dann der Kies auf der Strasse an. Gewisse Ducati Fahrer (ich will keine Namen nennen) hätten wohl keine Freude daran gehabt. Auch der Col d’Alos wurde im Regen genommen. Kaum waren wir beim Mittagessen, kam die Sonne durch. Wir liessen uns davon nicht stören und haben ein hervorragendes Mittagessen genossen. Pünktlich, als wir aus dem Restaurant kamen, fing der Regen wieder an. Daher ging es über die Route Napoleon nach Grenoble. Kurz vor Grenoble durften wir endlich ein paar Sonnenstrahlen geniessen. Den Rest des Tour fuhren wir, wie geplant, an der Chartreuse entlang.

Nachtessen (4):

Das Beste zum Schluss. War das Essen am Sonntag Abend schon gut, so war das Essen am Montag Abend hervorragend. Mein Stück Fleisch war zart und genau richtig durch. In Frankreich nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.

Dienstag: Tour nach Plan

Der letzte Tag begann verheissungsvoll. Die Sonne war endlich wieder mal in voller Stärke da. Auf kleinen und kleinsten Strässchen ging es durch den Park Mnt. du Grande Colombier. Da der grösste Teil der Strecke trocken war, konnten wir die Fahrt in vollen Zügen geniessen. Gegen Ende des Tages kamen wir in zwei kurze Regenschauer. Da wir uns aber geschworen hatten, an dem Tag keinen Gummi anzulegen, standen wir die paar Minuten mannhaft durch. Der Dienstag war der einzige Tag, an dem wir die geplante Tour abfahren konnten. Die Strecke war mir nicht bekannt. Mich hat es daher sehr gefreut, dass sie sich als so schön herausstellte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zu dritt kann man auch einen guten Schnitt erreichen, vor allem, wenn alle gleich zügig unterwegs sind. Von la Cure aus fuhren wir auf möglichst direktem Weg Richtung Heimat. Durch das Valle de Joux, via Orba nach Yverdon. Von dort auf die Dosenbahn. Im Grauholz nahmen wir noch einen letzten Kaffee. Danach ging es für jeden von uns direkt nach Hause.

Fazit:

Scheeee wars. Es hat mir riesigen Spass gemacht. Trotz, oder vielleicht wegen, all den kleinen Widrigkeiten, wird mir das Alpenglühen MMII nicht so schnell aus dem Sinn gehen.

PS Mounty sollte sich überlegen eine ausfahrbare Hundeleine an seinen Rucksack zu binden.

PPS Mounty: Zutreffendes ankreuzen:

Der Reifen hat noch Profil für 500km:
[ ] Du gehst auf eine Tour mit 1400km, ohne den Reifen zu wechseln
[ ] Du wechselst den Reifen und gehst dann auf die Tour

Falls du Schwierigkeiten hast, werden wir dich gerne beraten.

PPPS Ducatis haben keine Probleme mit engen, schmutzigen und nassen Strässchen im Nebel. Ducati Fahrer dagegen schon *eg*

Bilder auf der nächsten Seite.

Alpenglühen

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